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Helmut Kohl auf Neujahrsempfang

CDU Sachsen-Anhalt

Helmut Kohl auf Neujahrsempfang

Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl wurde als Redner und Ehrengast des Neujahrsempfanges des CDU Landesverbandes Sachsen-Anhalt am 11. Januar 2004 in Dessau begrüßt. „Mit Helmut Kohl erweist uns eine der herausragendsten Persönlichkeiten der deutschen Christdemokratie die Ehre; ein Politiker, der sich wie kein zweiter für die Belange der Neuen Bundesländer eingesetzt hat und einsetzt und der zudem als
Wegbereiter für die Idee eines vereinigten Europas weltweite Anerkennung findet“, so Bernd Reisener, Landesgeschäftsführer des CDU Landesverbandes.
Helmut Kohl auf dem Neujahrsempfang begrüßt.

ImageDr. Helmut Kohl hat sein Versprechen gehalten und kam auf gemeinsame Einladung des Landesverbandes der CDU und Kreisverbandes der CDU Dessau zum Neujahrsempfang am 11.01.2004 in das Technikmuseum „Hugo Junkers“.
Am 11. Januar 2004 führten erstmals der CDU Landesverband Sachsen-Anhalt, der Kreisverband der CDU Dessau und die Mittelstandsvereinigung (MIT) gemeinsam einen Neujahrsempfang in Dessau durch.
Als Redner und Ehrengast konnten die mehr als 2000 anwesenden Gäste keinen geringeren als den Bundeskanzler a.D., Dr. Helmut Kohl, empfangen.
Mit Helmut Kohl ist eine der herausragendsten Persönlichkeiten der deutschen Christdemokratie nach Dessau gekommen, ein Politiker, der sich wie kein zweiter für die Belange der neuen Bundesländer eingesetzt hat und einsetzt und der zudem als Wegbereiter für die Idee eines vereinigten Europas weltweite Anerkennung findet.
Langer Beifall und stehende Ovationen wurden Helmut Kohl bereits zu Beginn der Veranstaltung entgegengebracht.
Zunächst wurde der Kanzler der Einheit durch den CDU-Kreisvorsitzenden Dessau, Christoph Göring, auf das herzlichste begrüßt. Göring würdigte Helmut Kohl als den Kanzler der deutschen Einheit, der 1989 die historische Chance einer deutschen Wiedervereinigung erkannte und allen Widerständen und Bedenken, auch einiger Regierungschefs in Ost und West, zum Trotz 1990 verwirklicht hat. Dadurch habe er sich einen bleibenden Platz in der deutschen Geschichte erworben, vergleichbar mit Otto von Bismarck. Heute ist das vereinte Deutschland ein verlässlicher Partner seiner europäischen Nachbarn. Auch dies ist ein Verdienst des Bundeskanzlers Helmut Kohl, so Göring weiter.
Bewegt zeigte sich Helmut Kohl, als Göring daran erinnerte, dass nie vergessen werden dürfe, dass die CDU - und an ihrer Spitze Helmut Kohl - den Gedanken der deutschen Einheit in den Jahren der Teilung unseres Vaterlandes stets am Leben erhalten hat.
Image„Die Wiedervereinigung ist ein Glücksfall der Geschichte und Sie haben die Gunst der Stunde genutzt und rasche Entscheidungen getroffen“, würdigte Ministerpräsident, Professor Böhmer, den Ehrengast des CDU-Neujahrsempfanges. Der Ministerpräsident erinnerte in seiner Rede auch daran, dass die Einheit Deutschlands längst nicht so sicher gewesen sei, wie sie heute im Bewusstsein der Menschen verankert ist. 1990 verhinderte der russische General Achromejew ein Scheitern der friedlichen Revolution, indem er einen Putschversuch gegen den russischen Präsidenten Gorbatschow vereitelte und damit der Prozess der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands fortgesetzt werden konnte. Auch erinnerte er sich persönlich sehr gut daran, welch eine negative Rolle Oskar Lafontaine in den Vorbereitungen zur Währungsunion spielte. Geplant hatte die SPD-Spitze, den Menschen in der ehemaligen DDR die Ersparnisse mit einem Kurs von 4,5 bzw. 5 M zu 1 DM umzutauschen oder sie in einem sogenannten Konglomerat mit einer eigenen Währung wirtschaften zu lassen. „Sicher war die damalige Entscheidung für den Umtausch 2 M zu 1 DM ökonomisch falsch, für die Menschen in der ehemaligen DDR aber politisch menschlich und richtig“.
Nach den Ausführungen des Ministerpräsidenten ergriff Helmut Kohl mit dem Satz „Die Wiedervereinigung ist ein Geschenk Gottes“ unter riesigem Beifall das Wort. „Ich bin nicht gekommen, um billige Komplimente zu machen, doch das Schlagwort hinter mir „Tatkraft“ steht dort (gemeint ist das neue Motto der CDU auf der Bühnenrückwand), Tatkraft steht für Böhmer“, findet Kohl, „für den Freund Böhmer“, wie der Kanzler der Einheit mehrfach betonte.
Kohl gab in seiner Rede eine Einsicht in die Tage, als die Grenze zunächst in Ungarn und später die Mauer in Berlin fiel. Wie die Einheit zu gestalten war, wusste er zunächst auch nicht „wir hatten kein Lehrbuch, das wurde nie geschrieben, aber es war unsere historische Verantwortung und Pflicht gegenüber unserem Vaterland“, erinnerte Kohl „wir hatten Niemanden, den wir fragen konnten, so etwas war bisher einmalig in der Geschichte“.
Kohl erinnerte an die Nöte, die Chancen und Möglichkeiten, die sich Deutschland in den Tagen des Umbruchs geboten hatten. Für ihn war es keine Rechtfertigung für gemachte Fehler, sondern vielmehr die Erklärung der Probleme, die heute schon vielfach vergessen sind. „Diejenigen, die heute sagen, dass man alles hätte anders machen können, die hat es damals nicht gegeben“, so Kohl.
Inzwischen seien die damaligen Hoffnungen „auf blühende Landschaften in den neuen Ländern“ in Erfüllung gegangen „und ich bin stolz darauf“. Er zitierte noch einmal jene Passage über seine Zukunftsvision zu den blühenden Landschaften, die von einigen Unbelehrbaren immer wieder aus dem Zusammenhang gerissen und verzerrt dargestellt wird, welche da lautet: „Es wird harte Arbeit erfordern, bis wir Einheit und Freiheit, Wohlstand und sozialen Ausgleich für alle Deutschen verwirklicht haben. Viele unserer Landsleute in der DDR werden sich auf neue und ungewohnte Lebensbedingungen einstellen müssen – und auch auf eine gewiss nicht einfache Zeit des Übergangs. Durch gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg/Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“
Auch ging er auf den Erwerb der Leuna-Raffinerie durch den französischen Investor „Elf Aquitaine“ und die damit verbundene Schaffung von 9000 sicheren Arbeitsplätzen ein. Das er sich dann für den Vorwurf der Bestechlichkeit vor einem Untersuchungsausschuss habe verantworten müssen, zeige die „ganze Erbärmlichkeit der jetzigen Machthaber in Berlin“.
Führungsstärke bewies der Kanzler, als es um eine Volksabstimmung zur Einführung des Euro ging, „diese habe ich verhindert, denn diese hätten wir verloren“.
Helmut Kohl ging in seiner Rede nicht nur auf die Vergangenheit ein, sondern gab einen Ausblick auf das europäische Haus und wandte sich aktuell-politischen Problemen zu.
So erinnerte er daran, dass Deutschland jetzt in einer so komplizierten Lage sei, habe einzig und allein damit zu tun, dass die Sozialdemokraten 1997 sowohl in Sachen Steuern als auch Renten versagt und ausschließlich aus parteipolitischen Gründen damals gegen die Vorschläge der CDU gestimmt und damit wertvolle Jahre vertan haben. Das im Dezember beschlossene Gesetzespaket zur Steuerentlastung bezeichnete Kohl als einen „Schritt in die richtige Richtung, jedoch muss Entscheidendes verändert werden, wenn Deutschland eine Zukunft haben soll“. Die dafür gegenwärtig in der CDU entwickelten Vorschläge seien „keine Patentrezepte, aber die richtige Entwicklung auf dem richtigen Weg“.
Das Helmut Kohl mit seinen Worten den anwesenden Gästen voll aus dem Herzen sprach, zeigte der Beifall und die Ovationen, die ihm von Seiten der Anwesenden erbracht wurden. Immer wieder musste sich der Kanzler der deutschen Einheit von seinem Platz erheben und seinem Gesichtsausdruck war zu entnehmen, dass er selbst sehr bewegt war.
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