Interview mit Spitzenkandidat Wolfgang Tylsch nach der Wahl
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 05. April 2010 um 20:22 Uhr Geschrieben von: Administrator 02. Juli 2009
CDU will Coswigs Finanzen stärker unter Lupe nehmen
Stadtrat: Wolfgang Tylsch: Wir machen keine Politik nach Gutsherrenart
COSWIG/MZ. Die CDU hat in Coswig mit 49,3 Prozent der abgegebenen Stimmen die Kommunalwahl klar gewonnen. Am Montag will der Vorstand des Ortsverbandes über das Ergebnis der Wahl beraten. Dann dürften auch zwei wichtige Personalentscheidungen fallen. Es geht um den künftigen Vorsitz der Fraktion und des Stadtrates. MZ-Redakteur Dirk Skrzypczak sprach mit dem amtierenden Fraktions-Chef Wolfgang Tylsch.
Wie bewerten Sie mit einigen Tagen Abstand den Ausgang der Wahlen?
Tylsch: Die Bürger honorieren unsere kontinuierliche Arbeit. Wir bedanken uns für das Vertrauen, das eine große Verantwortung mit sich bringt. Es ist uns gelungen, die Schwerpunkte, die wir setzen, in die Öffentlichkeit zu transportieren. Und natürlich haben wir einen engagierten Wahlkampf geführt.
Andere Parteien oder Wählergruppen verweisen auf die finanziellen Möglichkeiten, die mit einer großen CDU im Rücken möglich sind.
Tylsch: Da sind die Leute im Irrtum. Lediglich die Großplakate und die Plakate für die Europawahl wurden gestellt; alles andere haben wir selbst finanziert. Seit einem Vierteljahr saßen wir regelmäßig einmal pro Woche zusammen. Jeder hat aus seinem Portemonnaie etwas in den Sammeltopf eingezahlt. Und erst dann haben wir überlegt, welche Möglichkeiten wir durch dieses Geld bekommen.
Die größte Fraktion stellen die Nichtwähler. Ist eine Beteiligung von 47,92 Prozent überhaupt eine Legitimation für den Rat?
Tylsch: Dieser Wert ist befremdlich. Andererseits muss ich sagen, dass jeder seine Chance vergibt, der nicht zur Wahl geht. In der Kernstadt haben wir mit 42,6 nur einen Prozentpunkt zu den letzten Wahlen vor fünf Jahren verloren. Damit liegen wir relativ konstant, wenn auch auf niedrigem Niveau.
Für die CDU werden sechs aktuelle oder ehemalige Bürgermeister im neuen Stadtrat sitzen. Haben Sie zu viele Häuptlinge im Team?
Tylsch: Es wird von einer Bürgermeisterfraktion gesprochen und möglichen Problemen, die daraus erwachsen könnten. Das ist Unfug. Wir wollen das Umland integrieren. Und dafür muss man die Dörfer auch an den demokratischen Prozessen beteiligen. Wir sind ja nicht die einzige Fraktion, in der Ortsbürgermeister sitzen.
Zwölf von 28 Plätzen im neuen Stadtrat gehen an die Ortschaften. Muss sich die Kernstadt bei Entscheidungen warm anziehen?
Tylsch: Wir sollten jetzt keine Mauern in den Köpfen aufbauen. Wir alle werden schnell feststellen, dass die Stadt die Dörfer braucht und umgekehrt. Die neue Struktur mit den eingemeindeten Orten muss wachsen. Diese Geduld müssen wir aufbringen.
Gesprochen wird am Montag im Vorstand des CDU-Ortsverbandes über die Verteilung der begehrten Posten. Werden die Dörfer aufgrund ihrer starken Stimmenzahl einen Vorsitz abbekommen?
Tylsch: Diese Frage ist völlig offen. Wir werden uns jedenfalls nicht davon leiten lassen, wer wie viele Stimmen erhalten hat. Das spielt primär keine Rolle. Wichtiger ist doch die Betrachtungsweise, wer in welcher Funktion der Fraktion am besten nützen kann. Natürlich haben unsere Kandidaten in ihren Gemeinden Pluspunkte gesammelt, die Dörfer zu dem guten Ergebnis beigetragen. Die Wahl wurde aber gemeinsam gewonnen. So konnten wir in der Stadt im Vergleich zu 2004 etwa 500 Stimmen mehr holen.
Die anderen Fraktionen fürchten, Sie könnten künftig nach Gutsherrenart im Rat regieren.
Tylsch: Wer so redet, hat uns die ganzen Jahre verkannt. Wir sind an einem breiten Konsens wie bisher interessiert. Allerdings wird es bei Entscheidungen, bei denen wir eine klare Vorstellung haben, keinen Eiertanz mehr geben.
Wo sehen Sie die Schwerpunkte in den nächsten Monaten?
Tylsch: Wir werden uns sicher in Richtung Finanzen anders einbringen und das Wissen unserer Bänker Albrecht Hatton und Birgit Meiling nutzen. Wir stehen vor dem Start der doppelten Haushaltsführung, die eine große Herausforderung darstellt. Uns schwebt außerdem vor, die Anzahl der Sitze in den Ausschüssen von derzeit sieben auf neun zu erhöhen, damit auch wirklich alle Fraktionen eingebunden werden.
Was wird aus Thießen, das eine Eingemeindung nach Coswig ablehnt?
Tylsch: Wir appellieren an die Vernunft der politisch Verantwortlichen wie Bürgermeister Günther Lutze und an die Bürger von Thießen, den Weg nach Coswig zu wählen. 700 Thießener hätten bei uns mit Sicherheit ein größeres Gewicht als in einer 90 000 Einwohner zählenden Stadt wie Dessau-Roßlau. Wir stehen Gesprächen jedenfalls offen gegenüber.
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